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in der Audorfer Geschichte

Aktuelles und Berichte

 Bildvortrag von Prof. Dr. Walter Leitner zum Thema

„Ötzi- der Mann aus dem Eis  Sein Leben – sein Leiden – sein Tod“

beim Historischen Verein Audorf e.V.

Am 17. November 2017 konnte Norbert Schön, 1. Vorsitzender des Historischen Vereins Audorf die zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste im Kursaal der Gemeinde Oberaudorf zu einer spannenden Vortragsveranstaltung begrüßen. Besonders freute er sich, als überaus kompetenten Referenten den Bozener Prof. Dr. Walter Leitner , Archäologe und Universitätsdozent für Ur- und Frühgeschichte Europas an der Uni Innsbruck und maßgeblich an Ausgrabungen im In- und Ausland beteiligt, begrüßen zu dürfen. Forschungsschwerpunkt von Prof. Leitner ist das archäologische Umfeld des Mannes im Eis sowie hochalpine Archäologie.

Modell der Fundstelle Ötzis

Prof. Leitner schilderte in seinem von beeindruckenden Bildern unterstützten Vortrag die Aufsehen erregenden Ergebnisse der nunmehr 26 Jahre andauernden Forschung an Ötzis Mumie. Dieser wurde am 19.9.1991 auf einer Bergwanderung in den Ötztaler Alpen auf dem Tisenjoch am Similaun von einem deutschen Ehepaar zufällig entdeckt. Nur der Oberkörper ragte aus dem Eis heraus. Das Foto zeigt ein Modell der Situation bei der Auffindung des mumifizierten Körpers.

Auch die bekannten Bergsteiger Reinhold Messner und Hans Kammerlander nahmen sie in Augenschein. Man hatte zunächst angenommen, einen Kriegsteilnehmer oder einen Bergsteiger gefunden zu haben. Bei der abenteuerlichen Bergung unter der Verantwortung der Gerichtsmedizin wurde er recht unsanft behandelt und sogar teilweise beschädigt. Als mit Professor Spindler von der Uni Innsbruck erstmals ein Archäologe die Mumie in Augenschein nahm, war man von dessen Beurteilung völlig überrascht, dass es sich bei der Mumie um einen 5.300 Jahre alten Menschen aus der Steinzeit handelte. Nun stritten Italien und Österreich, welchem Land die nun „Ötzi“ genannte Mumie gehören würde. Anhand des alten Grenzverlaufs wurde diese Österreich zugesprochen. Sämtliche Ausrüstungsgegenstände wie z.B. Bogen, Köcher, Pfeile, Beil und Rucksack Ötzis waren vorhanden. Diese und auch seine Bekleidung ließen auf eine besondere soziale Stellung in der Gemeinschaft schließen. Er war bei seinem Tod zwischen 43 und 51 Jahre alt, wog ca. 50 kg und war 1,60 m groß. Sämtliche Organe der Feuchtmumie waren geschrumpft aber noch vollständig vorhanden. Bei der Untersuchung des Mageninhalts und des gesamten Körpers wurde Überraschendes gefunden. Ötzi hatte diverse Krankheiten, die er anscheinend durch Tätowierungen, die seinen Körper an verschiedensten Stellen bedeckten, selbst behandelte. Die Erforschung dieser Behandlungsmöglichkeiten mittels Akupunktur durch die Chinesen erfolgte erst ca. 2000 Jahre später!. War Ötzi ein Heiler oder Schamane oder gar ein Tyrann, der bei seinem Stamm nicht mehr beliebt war und daher nach einem Angriff, der seine Hand mit einem Beil schwer verletzte, in die Berge flüchtete? Nun begann eine regelrecht kriminalistische Deutung seiner Flucht. Erst spät wurde auf Röntgenaufnahmen entdeckt, dass sich in seiner Schulter eine Pfeilspitze befand. Man kann annehmen, dass er bei einer Rast durch einen Pfeilschuss in den Rücken getroffen wurde und schnell verblutete. Seine Ausrüstungsgegenstände stellten für die damalige Zeit geradezu einen Luxus dar. Da sie bei dem Sterbenden verblieben waren und von dem oder den Mördern nicht mitgenommen wurden kann man unterstellen, dass er oder sie vermeiden wollten, sich durch den Besitz derselben als seine Mörder zu verraten.

Da einige Menschen, die mit dem Fund oder der Untersuchung des 'Eismannes' in Verbindung standen, inzwischen verstarben, wurde von der Presse schon vom „Fluch des Ötzi“ gesprochen. Dies gehört jedoch in das Reich der Fantasie, wie Prof. Leitner ausdrücklich betonte.

Die Mumie des Ötzi befindet sich im Museum in Bozen in einer speziell errichteten Kühlkammer. Dies bedeutet jedoch auch weiterhin ein großes Problem, da seine Konservierung ungeheuer schwierig ist und auch für die Forschung ein großes Problem bedeutet. So kann Ötzi immer nur für kurze Zeit den Wissenschaftlern für weitere medizinische Untersuchungen  zur Verfügung stehen. Hier ist auch in der Zukunft noch viel Forschungsarbeit zu leisten. Jährlich besuchen ca. 270.000 Interessierte das Museum.

Prof. Leitner fesselte mehr als zwei Stunden das Publikum mit der Fülle der mittlerweile vorliegenden Forschungsergebnisse. In der abschließenden Diskussion beantwortete er gerne die Fragen der wissbegierigen Anwesenden, die sich mit lang anhaltendem Applaus für den aufschlussreichen und spannenden Vortrag bedankten. Der 1. Vorsitzende Norbert Schön schloss sich gerne diesem Dank an und wünschte allen Zuhörern eine gute Heimfahrt.

Raffael bewundert die Taschen-Sonnenuhr

„Die Sonnenuhr ist das Beste”

Die Ausstellung „Töpfe, Truppen, Taschenuhren - Handel und Wandel auf dem Inn (1550 - 1650)”  im Burgtormuseum Oberaudorf hat viele Fans, große und kleine.

Der Ausspruch „Die Sonnenuhr ist das Beste” stammt vom Schüler Adrian, der auf Empfehlung seiner Mutter die Ausstellung besucht und dies sicher nicht bereut hat. Auch andere Einträge in das ausgelegte Besucherbuch verdeutlichen, wie gut diese außergewöhnliche Ausstellung ankommt.

Aber auch dem Raffael, der mit seiner Schulklasse an dem eigens für Schulen konzipierten Sonderführungsprogramm der Schatztruhe Innsbruck teilgenommen hat, sieht man die Begeisterung über das seltene Fundstück an.

Kürzlich hat der Historische Verein Audorf eine gut besuchte Sonderführung angeboten, die erfreulicherweise der engagierte Archäologie Dr. Elias Flatscher von der Uni Innsbruck, einer der beiden Kuratoren, übernommen hat. Es war dann schon für alle Teilnehmer ein besonderes Erlebnis, von ihm in eindrucksvoller Art und Weise die Inhalte der Ausstellung erläutert und zum Teil gleichsam vorgelebt zu bekommen.


Dr. Flatscher erläutert die Innschifffahrt

Den Part „Holzkohle und Eisenschmelze“ übernahm der mit der Kiefersfeldener Ortsgeschichte bestens vertraute Michael Steigenberger, der mit Dr. Flatscher zusammen sowohl die Ausstellung, als auch den Begleitband erstellt hat. Die von beiden Fachleuten bestens erklärten Ausstellungsabschnitte waren so für alle Teilnehmer leicht nachvollziehbar, sodass einmal mehr die diversen positiven Eintragungen ins Besucherbuch bestätigt wurden.   

Da die Ausstellung in Oberaudorf nur bis zum 11. Juni läuft empfiehlt es sich, schnell noch diese einmalige Gelegenheit zu nutzen, die „Töpfe, Truppen und Taschenuhr(n)“ in diesem einzigartigen Ambiente des Burgtormuseums zu erleben und das Urteil des kleinen Adrian zu bestätigen oder andere Ausstellungsinhalte  höher zu bewerten.   

Vortrag von Dr. Elias Flatscher

„Eine kleine Sonnenuhr wirft große Schatten“

beim Historischen Verein Audorf e.V. am 8. Mai 2017

 

Historischer Verein Audorf
Eine kleine Sonnenuhr wirft große Schatten

 

Exkursion nach Schwaz und zum Schloss Ambras

Historischer Verein Audorf
Bericht

 

 

 

 

Exkursion nach Nürnberg zur Bayerisch-Tschechischen Landesausstellung im Germanischen Nationalmuseum und Stadtrundgang

Am 2. März unternahm der Historische Verein Audorf eine Exkursion nach Nürnberg zur Landesausstellung im Germanischen Nationalmuseum, die anlässlich des 700. Geburtstags Kaiser Karl IV. als gemeinsame Landesausstellung mit der Nationalgalerie Prag gezeigt wurde. Auf Grund der langen Fahrtzeit ging es schon in der Früh´ um 6.00 Uhr los. Wie immer mit dem Astl-Bus und wieder einmal bei strömendem Regen. Dieser ließ jedoch nach einiger Zeit nach und wir sahen sogar für den restlichen Tag die Sonne.

Während der Fahrt gab uns der 1. Vorsitzende Norbert Schön eine kleine Vorschau auf die geschichtlichen Hintergründe der auf uns wartenden Sehenswürdigkeiten.

Am 23. Januar hielt der Landeshistoriker Dr. Peter Hattenkofer zur Einstimmung auf den Besuch der Ausstellung einen Vortrag über Karl IV. und seine Zeit, so dass wir nicht ganz unvorbereitet in die Ausstellung gingen. Karl, aus dem Herrschergeschlecht der Luxemburger, war eine wichtige Figur im politischen Spiel seiner Zeit und gewann als Gegenkönig Ludwigs des Bayern die Unterstützung des Papstes und damit den Kampf um die römisch-deutsche Krone. Er wurde 1355 in Rom gekrönt und herrschte mit Schwert und Feder. Das späte Mittelalter war geprägt von der Pest, Naturkatastrophen und Hungersnöten und forderte viele Opfer. Die von Karl IV. erlassene Goldene Bulle von 1356 wurde zum Reichsgrundgesetz und regelte für viereinhalb Jahrhunderte die Wahl des deutschen Königs durch die Kurfürsten.  Prag wurde zur Reichshauptstadt, ebenso wie die freie Reichsstadt Nürnberg, der zweithäufigste Aufenthaltsort des Kaisers. Nürnberg spielte eine wichtige Rolle in der Politik Karls, wovon noch heute viele Bauwerke Zeugnis ablegen. In Nürnberg kam auch Karls Sohn und späterer Nachfolger Wenzel zur Welt.

Ankunft im Germanischen Nationalmuseum
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Unsere Exkursion hatte wieder der 2. Vorsitzende Alois Brunner perfekt vorbereitet. Nach fast 3stündiger Busfahrt kamen wir in Nürnberg an und hatten vor dem Rundgang in die Ausstellung noch Zeit, gemütlich einen Kaffee zu trinken.

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Anschließend konnten wir dann in 3 Gruppen mit je einer Führung die gewaltige Zahl der Exponate bewundern. 130 Exponate in ausgezeichnetem Erhaltungszustand waren zu sehen, von deren Bedeutung uns aus Zeitgründen jedoch nur ein Teil ausführlich erläutert werden konnte. Es war eine Ausstellung, die uns alle begeistert hat.
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Ausstellungsführer vor Statue Karls IV.


Bei der Stadtführung
Nach der für Geist und Füße anstrengenden Führung konnten wir uns bei einem rustikalen Mittagessen stärken, bevor es bei scharfem Wind und Sonnenschein weiter zur Führung durch die Nürnberger Altstadt ging. Hier wurden uns von unserer Stadtführerin in humorvoller und professioneller Weise die historisch bedeutendsten Bauwerke, unter anderem die Frauenkirche mit dem so genannten „Männleinlaufen“, das Heilig-Geistspital sowie das ehemalige Judenviertel gezeigt.

Besonders erwähnenswert war das Progrom an der jüdischen Bevölkerung Nürnbergs. Kaiser Karl IV. hatte ihnen zwar seinen Schutz versprochen, brach aber kurz darauf dieses Versprechen, da die Häuser und von den Juden bewohnte Plätze von einflussreichen Nürnberger Bürgern zwecks anstehender Bauvorhaben, und nicht zuletzt zu ihrem finanziellen Vorteil, beansprucht wurden. Ca. 600 Juden wurden verbrannt, ihre Häuser zerstört. Was übrig blieb, wurde unter den für dieses Progrom Verantwortlichen verteilt. Nicht zuletzt hatten diese damit als weiteren Vorteil auch ihre finanziellen Verpflichtungen gegenüber den Juden nicht mehr zu erfüllen. Die Prager Juden konnten sich dagegen unter dem Schutz von Karl IV. sicher fühlen.
Auf der Nürnberger Burganlage
Unser Rundgang endete nach 2 Stunden an der Kaiserburg, die sich imposant über der Stadt erhebt. Mit herzlichem Dank an unsere Stadtführerin machten wir uns auf den Weg zu unserem Bus, wobei uns dabei eine kleine warme Stärkung im „Hexenhäusel“ gerade recht kam.
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Um 17.00 Uhr verabschiedeten wir uns von der Stadt Nürnberg und erreichten ohne Stau um 20.00 Uhr unser schönes Oberaudorf. Alle Teilnehmer waren sich einig: Es war wieder ein interessantes und informatives Programm und ein beeindruckendes Erlebnis!
   

Vortrag von Dr. Peter Hattenkofer über „Karl IV. und seine Zeit“ beim Historischen Verein Audorf e.V

Herr Dr. Hattenkofer referierte in einem sehr anschaulichen und informativen Vortrag über die Zeit und das Leben Kaiser Karl IV und seine Zeit. Geboren am 14. Mai 1316 in Prag als Sohn von König Johann d. Blinden trat er dessen Nachfolge 1346 an in einer Zeit, die geprägt war von Kriegen, Hunger und Seuchen. Bereits im selben Jahr war er in Konkurrenz zum Wittelsbacher Ludwig dem Bayern zum römischen König gekrönt worden. Nach dessen Tod 1347 war der Weg frei, seine Macht zu festigen und auszudehnen.

Die drei Säulen der Bevölkerung waren damals der Adel, die Ritter und die Bauern. Die Bauern waren arm und durch Kriegsdienst und Seuchen, hier besonders durch die Pest, die in ganz Europa wütete und einen großen Teil der Bevölkerung dahin raffte, besonders betroffen. Der Adel lebte in Saus und Braus, bedachte die ihm zur Kriegsführung verpflichteten Ritter mit den sogenannten Leibeigenen, den Bauern, und den dazugehörigen entsprechenden Ländereien. Die Ritter wiederum waren dem Adel zu Abgaben verpflichtet und hielten sich an den Bauern mit großer Brutalität schadlos. Sie taten damit das ihre dazu, die arme Landbevölkerung weiter zu reduzieren. Von der viel gepriesenen ritterlichen Tugend konnte hier keine Rede sein.

Karl wurde zur Erziehung an den französichen Königshof geschickt und bereits im Alter von 7 Jahren zum ersten Mal verheiratet. Er war hoch gebildet, sprach mehrere Sprachen und zeichnete sich durch eine besondere Frömmigkeit aus. Er wurde durch einen französischen Lehrer erzogen, der später zu Papst Clemes VI gewählt wurde. Insgesamt schloss er vier Mal die Ehe und festigte dadurch seine Macht. Durch Diplomatie und geschickte Heiratspolitik gelangten große Landgebiete in seinen Besitz und vergrößerten seinen Machtbereich enorm. Auch seine Kinder vermählte er gut. Sein Sohn Sigismund wurde später König von Ungarn.

In seine Regierungszeit fallen auch die Progrome an der jüdischen Bevökerung Europas in den Pestjahren ab 1349. Sie wurden u.a. für das Wüten der Pest verantwortlich gemacht. In ganz Europa wurde ein großer Teil der Bevölkerung durch diese schreckliche Seuche getötet. Karl hatte jedoch nicht die Macht, die Juden vor Entrechtung, Vertreibung und Ermordung zu retten.

Sein größter Triumph war seine Krönung zum Kaiser zu Ostern 1355 in Rom. Im gleichen Jahr war er König von Italien geworden. Sein Machtbereich und der seiner Luxemburgischen Dynastie zog sich über Brabant, Böhmen, Brandenburg, Schlesien und die Lausitz.  Ein Jahr nach seiner Kaiserkrönung verfasste er 1356 die „Goldene Bulle“ auf den Reichstagen in Nürnberg und Metz. Sie ist sozusagen das Grundgesetz des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation. Die Wahlmodalitäten des römisch-deutschen Königs und die Zusammensetzung des Kurfürstenkollegiums blieben bis in das Jahr 1806 gültig. 

Nürnberg als freie Reichsstadt diente Karl nach Prag als zweite Residenz und spielte in seiner Politik eine wichtige Rolle. Karl IV starb in Prag am 29. November 1378. Er ist im St. Veitsdom auf dem Hradschin beigesetzt.